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Professionelle Haltung in der Sozialen Arbeit - ein Definitionsversuch

Professionelle Haltung in der Sozialen Arbeit - ein Definitionsversuch

Autor: Joachim Glaum

Der Duden definiert Haltung allgemein als „innere (Grund-)Einstellung, die jemandes Denken und Handeln prägt“ bzw. „das Verhalten oder Auftreten, das durch eine bestimmte innere Einstellung, Verfassung hervorgerufen wird“. Diese innere Grundhaltung bildet somit das Fundament der Persönlichkeit, der Boden, auf dem sich jeder Mensch bewegt. Eine „Nicht-Haltung“ ist ausgeschlossen – bzw. auch als Ausdrucksform einer Haltung zu verstehen.

Daraus abgeleitet speist sich die fachliche Grundhaltung aus handlungsleitenden Einstellungen gegenüber Menschen, Situationen, Phänomenen und Arbeitsprozessen. Sie basiert auf persönlichen Überzeugungen, theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung und macht einen wichtigen Teil der eigenen Professionalität aus, da sie als innerer Kompass dient, der im Arbeitsalltag die nötige Orientierung gibt, um Entscheidungen treffen zu können.[1]

Unter Grundhaltungen verstehen wir Einstellungen gegenüber Menschen, Situationen und Arbeitsprozessen, die für das weitere Vorgehen ebenso handlungsleitend sind wie theoretische Vorannahmen. Sie bilden den Rahmen für die Verwendung der (sozialpädagogischen) Methoden, die ohne diese zu bloßen „Techniken” mutierten.[2]

Herwig-Lempp/Schwabe stellen mit dieser Definition eine unmittelbare Beziehung zwischen der (individuellen) Grundhaltung und den Arbeitsprozessen der Sozialen Arbeit her. Der Dreiklang aus Wissen, Können und Haltung wird als konstituierend für die pädagogische Professionalität beschrieben.[3]

„In der Fachdiskussion ist der Begriff der Haltung theoretisch oft nicht klar von ähnlichen Begriffen wie Identität oder Selbstverständnis abgegrenzt und lädt dazu ein, ihn mit einer Reihe von ‚Wunschinhalten‘ zu füllen“ [4]. Die Schlagwörter Persönlichkeit, Einstellungen und Normen gehen mit diesem Thema.

In der Sozialpädagogik werden im Zusammenhang mit dem Begriff Haltung häufig auch Begriffe benutzt, die auch als „Grundwerte“ bezeichnet werden und mit denen sich Grundhaltungen ausdrücken lassen:

  • Empathie, Wertschätzung, Authentizität als Grundhaltungen der Personenzentrierten Gesprächstherapie nach Rogers[5]
  • Wertschätzung, Partizipation und Transparenz in der Traumapädagogik[6]
  • Empathie und Akzeptanz
  • In den 1960er und 1970er Jahren vertrat der Mainstream in der Sozialpädagogik die Parteilichkeit als einzig vertretbare Grundhaltung. Die (politische) Vertretung von Randgruppen und Minderheiten gegenüber dem „System“ wurde
    als der wesentliche Auftrag sozialer Arbeit gelehrt und gelernt.
  • Burkhard Müller geht davon aus, „dass es ein klassisches Modell des Verhältnisses von Fachwissen und Berufsmoral gibt, welches das fachliche Selbstverständnis des Sozialpädagogenberufs seit seinen Anfängen geprägt hat. Dieses Modell
    unterstellt, dass sittliches Engagement, Einsatzbereitschaft für Menschen in Not, Bereitschaft, sie als Person zu achten und nicht für irgendwelche Zwecke zu funktionalisieren, Bereitschaft, gesellschaftliches Unrecht nicht einfach hinzunehmen 
    etc., dass all dies als sittliche Haltung zusammengefasst, das eine Bein ausmacht, auf dem Sozialpädagogen stehen“[7].
  • Professionalität in der Sozialen Arbeit besteht nicht nur in dem notwendigen Wissen und der Beherrschung von Handlungsmethoden, sondern hat ein spezifisches berufliches Selbstverständnis bzw. eine spezifische berufliche Haltung zur
    Grundlage. Fachkräfte der Sozialen Arbeit müssen demnach über eine klare Vorstellung der eigenen Berufsrolle und einer berufliche Identität verfügen, um als Professionelle handeln zu können[8].

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[1]    Vgl. Herwig-Lempp, Johannes und Schwabe, Mathias (2002): Soziale Arbeit, in: Michael Wirsching und Peter Scheib, Lehrbuch für Paar- und Familientherapie, S. 475-488.

[2]    Ebd.

[3]    Vgl. Kolmer, Petra und Wildfeuer, Armin (2011): Neues Handbuch philosophischer Grundbegriffe, S. 1774-1804.

[4]    Behr, Anna von (2010): Kinder in den ersten drei Jahren. Qualifikationsanforderungen an Frühpädagogische Fachkräfte, S.10.

        Online verfügbar unter https://www.erzieherin.de/files/paedagogischepraxis/2011WiFF_Expertise_4_vonBehr_Internet__2_.pdf (zuletzt geprüft am 12.03.2018)

[5]    Vgl. Kreuziger, Andreas (2000): Die Grundhaltungen der Personenzentrierten Gesprächstherapie. Online verfügbar unter https://www.carlrogers.de/grundhaltungen-personenzentrierte-gespraechstherapie.html (zuletzt geprüft am 12.03.2018)

[6]    Vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Traumapädagogik (BAG-TP) (2011): Standards für traumapädagogische Konzepte in der stationären Kinder­ und Jugendhilfe.

        Ein Positionspapier der BAG Traumapädagogik. Online verfügbar unter http://www.bag-traumapaedagogik.de/index.php/standards.html?file=files/bag-trauma/Dokumentationen%20und%20Protokolle/positionspapier_11-2011.pdf

        (zuletzt geprüft am 12.03.2018

[7]   Müller zitiert nach Düring und Krause (2011): Pädagogische Kunst und professionelle Haltungen. Reihe „Grundsatzfragen“, S. 218.

[8]    Vgl. Heiner, Maja (2007): Soziale Arbeit als Beruf. Fälle - Felder – Fähigkeiten, S.155.

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